Patina

Was ist eigentlich der Reiz von pflanzlich gegerbtem Leder? Es ist aufwändig in der Herstellung, nicht wasserdicht, und es ist anfällig für Kratzer und Gebrauchsspuren in Allgemeinen. Den letzten Punkt muss man allerdings nicht unbedingt als Nachteil sehen. Für mich ist das nebst seiner besseren Umweltverträglichkeit, seiner Zähigkeit und Langlebigkeit der Hauptgrund für meine Begeisterung für das vegetabile Leder. Es ist roh. Es ist authentisch. Es ist unperfekt. Es lebt.

...okay, streng genommen lebt es nicht mehr, aber Ihr wisst, was ich meine.

Zwei Faktoren haben einen Einfluss auf das Erscheinungsbild:

UV-Strahlung

Die Sonne hat auf pflanzlich gegerbtes Leder den gleichen Effekt wie auf unsere Haut: Es wird dunkler - im Gegensatz zu chromgegerbtem Leder, welches meistens ausbleicht. Dies ist manchmal zu beobachten bei Schuhoberleder von Schuhen, die zu lange im Schaufenster gestanden sind.

Öle/Fette

Man muss sich pflanzlich gegerbtes Leder wie einen Schwamm vorstellen. Je neuer es ist, desto bereitwilliger saugt es alles auf, was sich auf seiner Oberfläche absetzt: Wasser und vor allem Öle und Fette, die durch die Hände auf das Leder übertragen werden. Diese färben die Oberfläche langsam und stetig dunkler und verwandeln den sehr hellen, fleischig beigen Farbton von naturfarbenem Leder in ein dezentes Hellbraun. Mit den Jahren kann sich das bis hin zu einem Dunkelbraun entwickeln.
Die Anwendung von fetthaltigen Lederpflegemitteln wie z.B. Sedgwicks haben die genau gleiche Wirkung und können gezielt eingesetzt werden um die Farbe des Leders zu beeinflussen.

Hier ist btw der erste Original zu sehen, den ich vor etlichen Jahren gefertigt und seither regelmässig getragen habe. Man beachte die unterschiedlichen Stufen der Patina. Sehr schön zu sehen, wie die Spitze, die man täglich berührt, sehr viel dunkler geworden ist als der mittlere Teil, der unter dem Rücken des Trägers liegt.